Die Geschichte des Piercing

Allgemeines

Das Tragen von Tattoos, Fun Tattoos, Henna und Piercings (Brandings im Kommen) gehört mittlerweile zum guten Ton. Während man früher mit einem Tattoo oder Piercing beinahe wie ein Aussätziger behandelt wurde, genießen diese Arten des Körperschmuckes heute schon Kultstatus. Sie sind einfach hip und sogar die größte deutsche Tageszeitung macht regelmäßig Ausschreibungen um das “schönste Arschgeweih” (Steisstattoo) des Landes.

Man könnte fast von einem Tattoo und Piercing boom sprechen und da sind natürlich auch etliche Scharlatane nicht weit. Vom Biotattoo ist die Rede. Ein Biotattoo mag sich stechen lassen, wer nur mal aus Spaß ein Tattoo tragen will. Vielleicht nur ein Jahr… Wir kommen später noch darauf zurück. Soviel vorweg. Biotattoos sind Märchengespinste.

Es gibt kein gestochenes Tattoo, dass nach einem Jahr wieder verschwindet! Die ersten Anbieter dieser Biotattoos wurden schon verklagt, weil ihr “temporäres Tattoo” nach 5 Jahren immer noch sichtbar ist.

Während sich die Menschen früher – einige Urwaldstämme im Amazonasbereich heute noch – Wunden einritzten und diese mit Dreck oder Kohle einrieben, um sich zu tätowieren, nutzen die Tätowierer in unseren Breiten für unsere Tattoos andere Methoden. Schade? Nun, der Sinn, die Bedeutung der Tattoos, dürfte für uns auch eine andere sein, als für den Einzelnen in seinem Stamm. Wir lassen uns nicht tätowieren, um uns vor bösen Geistern zu beschützen oder unsere Fruchtbarkeit zu steigern, dennoch verbindet jeder mit seinem Tattoo auf der Haut etwas aus seinem Leben. Etwas wofür man steht, was man liebt. Jedenfalls sollte das so sein.

Schließlich ist ein Tattoo etwas fürs Leben. Daher tut man gut daran, sein Tattoomotiv nicht aus einer Laune heraus zu wählen oder sich nicht nur darum tätowieren zu lassen, weil ein auch Popstar dies oder jenes Tattoo trägt. Denn was machst du, wenn dein Popstar samt seines Tattoos nicht mehr “in” ist? Bist du und dein Tattoo dann auch “out”?!

Tattoos und Piercings sind nicht Neues. Im Gegenteil. Schon seit Menschengedenken gelten Körperbemalungen (Tattoos) und Holz, Metall und Knochenschmuck (Piercings) als Zeichen von Zusammengehörigkeit zu dieser oder jener Sippe oder wurden bei Stammesfestivitäten getragen.

ZungenpiercingEin Riesenpiercing wird von einigen afrikanischen Stämmen getragen, oft von Frauen vor der Hochzeit. Es handelt sich dabei um einen tellerförmigen Gegenstand aus Metall oder Holz, der die Unterlippe des Trägers derart verformt und nach außen wölbt, dass man von der sog. „Tellerlippe“ spricht. Man sagt, der Brautpreis richte sich nach der Größe des „Piercingsschmuckes“ und der damit verzogenen Lippe, also wird das Piercing Monate vor der Hochzeit aufs Extremste gedehnt.

Piercing ist eine Form des Schmucks und den gibt es schon seit vielen Tausend Jahren. Es gibt Bilder von Buddha, der extreme Gewichte an seine Ohrläppchen hing (Gold) und diese dadurch dehnte. Selbst die Maske von Tutenchamun zeigt den Pharao mit übergroßen Ohrlöchern, ebenfalls ein Hinweis auf die Schwere seiner Ohrringe.

Brustwarzenpiercings trugen schon die Römer und der „Hafada Ring“, der am Penis befestigt wird, war das Schmuckstück von Albert von Coburg, dem Gatten der engl. Königin Viktoria. Dennoch sind die Beweise für das Durchstechen von Körperteilen als Schmuck innerhalb Europas schwerer zu führen. Hier waren es wieder die Römer, die ihre Sklaven und Gefangenen „piercten“ um sie kenntlich zu machen. Ausserdem weiß man von den sog. Keuschheitspiercings. Hier wurden entweder die Vorhaut der Sklaven „zugetuckert“ oder die Geschlechtsteile der Frauen mit „Piercings“ zugenäht.

Selbst die Eskimos trugen/ tragen Piercingschmuck. Dieser besteht aus den Zähnen von Seelöwen, Fischgräten oder Muscheln. Und auch hier gilt, je mehr Piercings der Träger hat, desto höher sein Ansehen. Diese Völkergruppe trägt den Körperschmuck ausnahmslos im Gesicht.

In Südamerika tragen einige Stämme seit ihrem bestehen schon seit frühester Kindheit Nasen-, Lippen-, und Zungenpiercings. Auch hier werden wieder bestimmte Zugehörigkeiten zu einer Gruppe nach außen veröffentlicht. Der gehört zu diesem, die zu jenem Stamm. Durch das piercen und den dadurch ertragenen Schmerz, wird jedoch nicht nur die zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ausgedrückt, sondern auch, das man(frau) etwas aushalten kann. Den Schmerz nämlich.

Und das alleine macht die Person schon würdig, zur Gruppe zu gehören. Würde man sich ausgrenzen und keinen Piercingschmuck oder Körperschmuck tragen wollen, würde man von der Gruppe nicht akzeptiert, was früher einem Todesurteil gleichkam. Denn ein Einzelgänger hatte im Urwald keine Überlebenschance. Materialen für die Piercings der Indianer sind Fedekiele, getrocknetes, ausgehärtetes Harz oder spitze Steine.